Digitale Lehre in Zeiten des Coronavirus - Erfahrungen, Tools und Best Practices aus drei Jahren angewandter Forschung.

Aufgrund der aktuellen Geschehnisse in Deutschland und überall auf der Welt hat sich auch der Alltag von Dozenten und Studierenden verändert. Da das Lernen ungeachtet der Pandemie weiter laufen sollen, gilt es schnelle, pragmatische Lösungen für die Lehre jenseits des Campus zu finden. Wir als G-Lab möchten unsere Erkenntnisse und unser Wissen mit all jenen teilen, die sich derzeit mit der Herausforderung konfrontiert sehen digitale Lehre zu gestalten. Der Eine oder Andere könnte dabei sogar auf den Geschmack kommen.

 

Lesezeit: 6 Minuten

 

Eines vorweg: Coronavirus hin oder her, wir möchten nicht mehr ohne digitale Lehrveranstaltungen arbeiten! Der folgende Beitrag beschreibt, wie wir im G-Lab Kommunikation und Lehre im digitalen Raum umsetzen und wie sich auf Basis dessen unsere Lehrmethoden nachhaltig verändert haben.

 

Digitale Lehre für Einsteiger

 

Denjenigen, die angesichts der Corona-Pandemie zum ersten Mal mit der Herausforderung konfrontiert sind ihre Lehre online umzusetzen, möchten wir eine schnelle und unkomplizierte Lösung vorstellen.

Live-Lehrveranstaltungen und Treffen im digitalen Vorlesungsraum realisieren wir unter anderem über Google-Hangouts oder Microsoft Teams. Dies liegt einerseits an der kostenlosen Verfügbarkeit für Lehrzwecke, andererseits (und vor allem) an der unschlagbaren Bedienerfreundlichkeit. Die Dienste sind einfach, kostenlos und funktionieren.

 

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Abbildung 1: RTEDIMAGE Source: Zoom Video Communications

Um die Dozierenden der Hochschule Karlsruhe beim Umzug in den digitalen Raum zu unterstützen, bieten Innovate e.V. und das G-Lab der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft ab sofort Webinare zur Nutzung von Google Hangouts an. Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite und werden jedem den Einstieg innerhalb weniger Stunden ermöglichen. Weitere Infos und Anmeldung befinden sich am Ende des Beitrags.

 

Digitale Lehre für Fortgeschrittene

 

Der Umzug einer bestehenden Vorlesung in den digitalen Raum ist also kein Problem. Wer einen Schritt weiter gehen möchte, der hat darüber hinaus die Möglichkeit seine Lehre mit externen, digitalen Inhalten zu bereichern. Wir haben in den letzten 3 Jahren sehr gute Erfahrungen damit gemacht und diese z.B. in unseren Lehrveranstaltungen StartUp Semester, Radikale Innovation oder Innovation Coaching umgesetzt. 

 

Dabei leiten uns die Prinzipien des Hybriden Lernens. Es kombiniert die drei miteinander in Bezug stehenden und aufeinander aufbauenden Lernelemente Theorie, Praxis und Reflektion. Abbildung 1 veranschaulicht, wie diese den Weg vom Wissen zum Können ebnen. (Siehe auch Forschung Aktuell 2019 ab Seite 46 für weitere Informationen)

Abbildung 2: Der Lernprozess des Hybriden Lernens (Schmidt et.al. 2019).

Inzwischen vermitteln wir nahezu alle theoretischen Lehrinhalte auf dem digitalen Weg. In Blöcken wird der Lernprozess des Hybriden Lernens mehrfach durchlaufen und dabei das erlangte Wissen gemeinsam analysiert und diskutiert. Die Zahl der physischen Treffen ist dadurch stark zurückgegangen und dient in erster Linie der Reflexion der Erfahrungen, die bei der Umsetzung des Gelernten in der Praxis gemacht wurden. In Corona-Zeiten können diese Treffen natürlich auch im digitalen Raum stattfinden.


Sofern möglich, greifen wir zur Theorievermittlung auf bestehende Online-Ressourcen zurück, wie beispielsweise Videoreihen von edx.org, sogenannte Massive Open Online Courses (MOOCs). Die Qualität der angebotenen Kurse ist hervorragend und wird dadurch gesichert, dass renommierte Institutionen dort Kurse veröffentlichen. So verwenden wir beispielsweise Inhalte der RWTH Aachen oder des Massachusetts Institute of Technology. Darüber hinaus stellen wir in unserer G-Lab Academy Themenmodule mit Video zu Best Practices und weitere hilfreiche Online-Ressourcen rund um das Thema Entrepreneurship von weltweit führenden Wissenschaftlern und Entrepreneuren zusammen. 


Das Prinzip des Hybriden Lernens hat sich für uns über die letzten Jahre als sehr erfolgreich erwiesen. 


Hier sind einige der Effekte, die wir beobachten konnten:

  • Durch die Arbeit an realen Problemstellungen steigt die Motivation und Lernbereitschaft deutlich. Insbesondere die Kombination aus Aufgabenstellung und gleichzeitiger, autodidaktischer Wissensaneignung wird von vielen Studierenden als sehr positiv empfunden. 

  • Viele Studierende zeigen Interesse sich weitergehend zu informieren. Deshalb stellen wir in unserer G-Lab Academy neben den Pflicht-Quellen zur Theorie immer weitergehende optionale Quellen zur Verfügung.

  • Die Studierenden schätzen die Freiheit selbst zu entscheiden wann, wo und wie schnell sie Lernen.

  • Die Qualität der Kommunikation während der Präsenzzeiten zur Reflexion ist ungleich höher als beim klassischen Frontalunterricht.

  • Die eigentliche Stärke der Dozierenden liegt darin den Studierenden durch ihre Erfahrung und Kompetenz zu helfen Theorie und Praxis miteinander in Bezug zu bringen. Durch die Auslagerung des repetitiven, semesterweisen “Vorlesens” von Inhalten wird mehr Raum für die gemeinsame Reflexion und Diskussion geschaffen.

  • Die Inhalte der Theorie lassen sich sehr schnell austauschen, ohne dass ein neues Skript geschrieben werden muss und sind somit leicht auf dem neuesten Stand zu halten.

  • Die Qualität der Theorie wird durch den Dozierenden gesichert. Er wählt nur die Inhalte die er für relevant hält und kann sie nach Belieben ergänzen.

  • Reflexion und Anwendung sind wichtig, um die Befähigung vom Wissen zum Können zu gewährleisten. Aus diesem Grund sollten die Lerngruppen nicht zu groß sein. Die besten Diskussionen kommen erfahrungsgemäß in Gruppen unter 8 Personen zustande. Es macht deshalb Sinn große Kurse zur Reflexion und Anwendung aufzuteilen.

   


Aus diesen und weiteren Gründen wird das G-Lab auch zukünftig voll auf digitale Lehr- und Lernformate setzen. Wir sind überzeugt, dass durch digitale Technologien neue Potentiale auch in der Vermittlung von Altbekanntem entstehen. Diese gilt es zu nutzen und gemeinsam neue Wege zu beschreiten. 



Bei Fragen und für weitere Informationen rund um unsere Methoden und Konzepte stehen wir natürlich gerne zur Verfügung. Am besten via E-Mail an Katharina_Luise.Schmidt@hs-karlsruhe.de 


Wie im Artikel erwähnt, bietet die fakultätsübergreifende Hochschulgruppe Innovate e.V. an, allen interessierten Mitarbeiter*innen und Professor*innen der Hochschule Karlsruhe die einfache Nutzung von Google-Hangouts für digitale Vorlesungen und Lehrveranstaltungen zu erklären. Dafür werden in den kommenden Tagen mehrere Webinare angeboten.


Bei Interesse bitten wir um eine kurze Mail an Roman.Kerres@hs-karlsruhe.de. Alle weiteren Infos folgen dann per E-Mail.


Bericht: Katharina Schmidt & Moritz Theis